Newsletter


galerie hochdruck

home news geöffnet/open about contact/imprint links press tour

archiv/achives/webkataloge

download
 
ab 5. April
BON À TIRER

Zierde │ Botschaft │ Experiment
Die vielfältigen Aufgaben der Druckgrafi
k


Katalog/artworks


Die Galerie Hochdruck - Wiens einzige, auf Druckgrafik spezialisierte Galerie - lädt zu einer vergnüglichen Reise durch Geschichte und Möglichkeiten der Druckkunst.

Ausgewählten und originellen Beispielen der Gebrauchsgrafik wie Schmuckpapieren, Bilderbögen, Spielkarten, Spielbrettern, Flugblättern, Einblattzeitungen, Ex Libris oder Plakaten mit Originalgrafik werden in dieser Ausstellung - neben typischen Beispielen für die einzelnen künstlerischen Druckverfahren - außergewöhnliche Drucktechniken sowie seltene Druckzustände und Druckvarianten aus dem Bereich der Künstlergrafik gegenübergestellt. Gezeigt werden auch diejenigen Objekte, die als unverzichtbares Medium zwischen dem Bildgedanken und dem fertigen  Druck stehen und die man normalerweise nicht zu Gesicht bekommt: nämlich die verschiedenen Arten der Druckformen wie Druckplatten, Druckstöcke oder Druckschablonen.

BON À TIRERfrom April 5

Ornament │ Message │ Experiment
The Manifold Tasks of Printmaking


Galerie Hochdruck, Vienna's only fine art gallery specialising in original prints, welcomes you to a delightful journey through the history and possibilities of printmaking.

In this exhibition, selected creative examples of commercial art, including decorated papers, illustrated broadsheets, playing cards, board games, flyers, ex libris, posters with original prints and typical examples of various printmaking processes are brought face to face with examples of unusual printing techniques, rare state proofs and rare print versions from the field of fine art printmaking. Also on display will be objects that constitute an indispensable medium between the conceptualisation of an image and the final print but are usually not visible to the public, such as printing plates, woodblocks and stencils.

1

Johann Paul Schindler

 

Johann Maisch

Zwei Brokatpapiere um 1800 (Schindler), um 1830 (Maisch)
ca. 35 x 41,5 cm und ca. 34 x 38 cm (Blatt)

je 250

2

Adriaen Muntinck
(Werkstatt)

Ornament mit Vögeln und Spinne  um 1600
Kupferstich auf Bütten, 5,6 x 9,7 cm

180

3

 

Wolf Traut

Kampf um Lüttich  1517
Holzschnitt auf Bütten, 17 x 15,5 cm
Aus: Die Ehrenpforte Kaiser Maximilians I., Hrsg. von Adam Bartsch und gedruckt von Tranquillo Mollo, Wien 1799
Kaiser Maximilian I. war der erste Politiker, der die Macht der Medien erkannte und auszunutzen verstand. Dabei halfen ihm die zeitgemäßen Techniken Buchdruck (für den Text) und Holzschnitt (für die Bilder) zur idealisierten Selbstdarstellung bis hin zur Geschichtsfälschung. Die Ehrenpforte war ein von 192 Holzstöcken gedruckter Riesenholzschnitt mit Inschriften von Johannes Stabius, dem Historiographen Maximilians und mit die Taten Maximilians verherrlichenden Darstellungen von Albrecht Dürer und seiner Schüler Wolf Traut und Hans Springinklee. Drei Ausgaben allein im 16. Jahrhundert bezeugen seine Popularität. Die Stöcke verschwanden danach und tauchten erst Ende des 18. Jahrhunderts wieder auf, was Anlass zu einer 4. Ausgabe, aus der der vorliegende Druck stammt, gab. Dem Stock sieht man seine lange und bewegte Geschichte an, während der er sicherlich nicht immer unter günstigen klimatischen Bedingungen gelagert wurde. Zu dem Riss quer durch den Stock kommen Stege, die wegen ihrer Abnützung nur noch unklare und überschwarze Drucke abgeben. Solche und ähnliche Stöcke mögen Joseph Meder 1932 dazu veranlasst haben, sein auch heute noch maßgebliches Werkverzeichnis der Druckgrafik Dürers auf den unterschiedlichen Erhaltungszuständen und Veränderungen der Stöcke und Platten im Laufe der Zeiten aufzubauen.

200

4



anonym

Vita Christi  1488
3 Holzschnitte auf Bütten, handkoloriert, 18,5 x 13,5 cm,
10,5 x 13,8 cm, 10,5 x 13,8 cm; aus: Ludolphus de Saxonia, Vita Christi, Antwerpen bei Claes Leeu 1488

je 400

5

Hieronymus und Daniel Hopfer

Brustbild Kaiser Karls V. vor ornamentalem Hintergrund  ca. 1520
Eisenradierung (Strich- und Flächenätzung), 17,6 x 15 cm
Ohne die ursprünglich mit einer zweiten Platte mitgedruckte Inschrift unter der Büste.
Bei seiner Krönung zum deutschen Kaiser 1520 war Karl - ein Enkel Kaiser Maximilians I. - gerade einmal 20 Jahre alt, sein Porträtist Hieronymus Hopfer allerdings erst 15. Da es sich möglicherweise um ein Erstlingswerk des Künstlers handelt, mag man die etwas schematische Darstellung des Herrscherprofils leicht verzeihen, wird aber umso mehr die virtuose ornamentale Gestaltung des Hintergrundes bewundern, für die der Vater des Künstlers, Daniel Hopfer, verantwortlich gewesen sein dürfte. Letzterer beherrschte die Kombination von Strich- und Flächenätzung meisterhaft und setzte für deren Entwicklung maßgebliche Impulse.

1600

6

Jobst Camerer

Karl V in Wittenberg  1547
Druck von einer Bildnisplakette auf Japanpapier, ca. 17,5 x 11,8 cm
27 Jahre nach der Entstehung des Karl-Porträts von Hopfer entschied Karl V. in der Lutherstadt Wittenberg den Schmalkaldischen Krieg zu seinen Gunsten und erteilte damit dem Protestantismus einen schweren Schlag. Karl war zu diesem Zeitpunkt 47 Jahre alt und doch zeichnet Camerer das Bild eines alten Mannes, wofür der große zeitliche Abstand verantwortlich sein mag, der die Entstehung der Bildnisplakette vom Anlass trennt, der auf ihr vermerkt ist. Es ist eher anzunehmen, daß der wahre Anlass der Tod des Herrschers im Jahr 1558 - dem Entstehungszeitpunkt des Bildnisses - war. Der Hallenser Goldschmied Jobst Camerer war seit 1530 Hofgoldschmied des Kardinals Albrecht von Brandenburg. Im Zuge der Reformation Halles 1541 verlor Camerer seinen wichtigsten Auftraggeber. Camerer gestaltete nun stattdessen unter anderem Bildnisplaketten der Protagonisten der Reformation und Gegenreformation und verschickte sie unaufgefordert an die Räte der verschiedenen reformierten Städte, wo die Arbeiten anschließend im Rathaus präsentiert wurden. Wie bei den mittelalterlichen Nielli waren die ursprüngliche Bestimmung der Platten also nicht der Druck, sodaß die Schrift im Abdruck spiegelverkehrt erscheint. Drucke wurden selten schon zur Entstehungszeit abgenommen, sondern - wie vermutlich auch im vorliegenden Fall - erst zu späterer Zeit, möglicherweise sogar erst im 18. Jahrhundert.

sold

7

Jean Pichore
(Werkstatt?)

Verkündigung  um 1508
Tempera und Gold über Metallschnitt auf Pergament, 18,3 x 12,3 cm; verso Buchdruck, Metallschnitt und Initialen in Gold.
Ganzseitige Miniatur aus einem gedruckten Pariser Stundenbuch kurz nach 1500. In einer Umbruchzeit des Buchgewerbes tritt Pichore als zukunftsorientierter Unternehmer auf, dessen Werkstatt nicht nur Buchmalerei, sondern auch Metallschnittserien für den Stundenbuchdruck produzierte. Die Frage, welchen Anteil der Meister selbst an den Illuminationen - hier also den kunstvoll ausgemalten Metallschnitten - hatte und welcher Anteil seiner Werkstatt zugeschrieben werden muss, kann zur Zeit noch nicht eindeutig entschieden werden.

sold

7a



Hanabusa Itcho

Drei Figurenstudien spätes 17. Jh./frühes 18. Jh.
Tusche und Wasserfarbe auf Japanpapier, ca. 11,5 x 7 cm (Blatt), auf Bütten aufgezogen; Vorzeichnungen zu Holzschnitten (?), ex Sammlung Émile Javal (1839-1907)

je 350

8

anonym

Papiermacherzeichen  1639
Holzschnitt, handkoloriert auf Bütten, 23 x 13 cm (Blatt)
Einbandfund, Blattränder beschnitten. Papiermacherzeichen mit Inschrift "Paulus Hertel zu Kirchberg 1639".
Papier oder Pergament nicht mehr benötigter Bücher oder Einblattdrucke wurde früher häufig als Makulatur zur Verstärkung von Einbänden verwendet. Dadurch sind nicht wenige Werke in die Gegenwart überliefert worden, die ansonsten verloren gegangen wären. In unserem Fall erlitt ein frühbarockes Papiermacherzeichen dieses Schicksal. Fragmente dieser und ähnlicher Art werden mittlerweile in einem eigenen  Forschungsfeld - der Fragmentforschung - untersucht.

300

9

Martin Weigel

Fama  (Das Gerücht)  um 1545
Holzschnitt auf Bütten, 23 x 12,5 cm
Späterer Druck. Erstmals erschien dieser Holzschnitt auf einem Einblattdruck mit einem Text von Hans Sachs, dessen Beschreibung der Fama sich an diejenige Virgils anlehnt. Am Ende dieses Flugblattes findet sich der Vermerk "Gedruckt zu Nürmberg/durch Hans Weygel Formschneyder", was uns in diesem Fall nicht nur den Holzschneider und Drucker, sondern durch Stilvergleich mit anderen Blättern Weigels auch den Erfinder des Bildes verrät.

sold

9a
neu


Giovanni Battista Cipriani

Acqua   vor 1785
Handkolorierte Punktierradierung, 16 x 20,8 cm (Plattenrand) sowie Entwurf in Bleistift, Tusche, Wasserfarbe, Gouache und Vergoldung mit reichem Ornamentrahmen, 28 x 33 cm. Radierung gedruckt von Ranieri Fanfani, Milano, erste Hälfte 19. Jh.

1200

10

Hans Holbein d.J.

Orphei poetarum  1523
Holzschnitt auf Bütten, 17,5 x 12 cm
Titeleinfassung mit Lucretia und Judith zu: Orphei poetarum vetustissimi Argonauticōn opus Graecum, cum interpretatione Latina incerti autoris, recens addita & diligentius quam hactenus emendata, Apud Inclytam Germaniae Basileam, Anno Domini M.D.XXIII.

Insgesamt 5 Mal wurde diese Titeleinfassung Holbeins zwischen 1521 und 1548 verwendet:  und zwar neben der auf Griechisch erschienenen Argonautica des Apollonius Rhodius (die traditionell Orpheus zugeschrieben wurde) für so verschiedene Bücher wie die erste Gesamtdarstellung des christlichen Glaubens durch den Kirchenvater Laktanz, die einflussreiche Rechtsschrift "Oratio Apologetica in patrocinium Iuris Civilis" des Basler Juristen und Humanisten Claudio Cantiuncula oder die frühen Reformationsschriften des Johannes Oecolampadius.

400

11

Utagawa Kunisada II

Fächerbild  1864
Farbholzschnitt auf Japanpapier, 21,1 x 28,6 cm
Uchiwa-e (Fächerbild) mit den Schauspielern Kawarazaki Gonjuro (rechts) und Iwai Shijaku (links). Signatur: Kunisada ga in Toshidama-Kartusche. Verlag: Iseya Ichiemon. Zensor-Siegel: Kiwame kombiniert mit Datum. Plattenschneider: Uemura hori Yasu. Edition: 1864.
Fächerbilder sind ein besonderes Genre des japanischen Farbholzschnittes und werden wegen ihrer Seltenheit von Sammlern besonders geschätzt. Da die Drucke in der Regel zerschnitten und auf Fächer geklebt wurden, haben nur wenige die Zeiten überdauert.

500

12

anonym

Eunuchi  1499
Buchdruck und 5 Holzschnitte auf Bütten, zusammen ca. 15,8 x 8,5 cm; aus: Publius Terentius Afer, Comoediae, Johann Grüninger, Strassburg 1499
Bei diesen frühen Illustrationen der Komödien des Terenz ließ der Künstler äußerste Ökonomie walten. Nur für die Figuren wurden individuelle Stöcke geschnitten, für die Staffage aber ein begrenztes Repertoire verschiedener Stöcke, die in unterschiedlicher Kombination immer wieder neu angeordnet werden konnten. Die modulare Anordnung von Druckstöcken entspricht der Idee des Druckens mit beweglichen Lettern, so wie die Bleiletter wieder dem Prinzip des Stempels entspricht. Dieser steht dem Urgedanken vom Druck am nächsten: Bei der Wiederholung bestimmter Muster wird nicht nur eine Zusammenhang stiftende und daher leicht lesbare Spur gelegt, sondern durch den sparsamen Einsatz der Mittel auch ein Maximum an Effizienz bei der Verbreitung und also Demokratisierung von Wissen erreicht.

180

13

anonym

roy nōme Numa pōpilius  1491
Holzschnitt und 2 Holzschnitt-Zierleisten auf Bütten, 29 x 24 cm
Aus: La Mer des Histoires, Pierre Le Rouge und Guillaume le Bret, Paris 1491

350

14

anonym

Erinnerung an die Pilgerfahrt zum heiligen Grab Christi in Jerusalem im Jahre 1867
Handkolorierte Lithographie und Collage, 34 x 42 cm (Blatt)
Druck und Verlag A. Felgner in Berlin

450

15

anonym

Souvenir de N.D. (Notre Dame) de Fourviere  19. Jh.
Kupferstich und Stanzspitze, 10,5 x 6,5 cm (Blatt)
Bezeichnet "Chez Bernasconi Frères, Fab. de Cadres, Cours des Brosses 12 Lyon".
Spitzenbilder und Bilder anderen populären Inhalts aus Lyon nennt man auch "à la guillotière", was mit dem Fallbeil nur insofern zu tun hat, als in dem Viertel, wo es ehemals stand, schweizer oder italienische Immigranten diese massenhaft verbreiteten Bildchen erzeugten. Zu ihnen gehörten auch die Brüder Bernasconi, die als einfache Rahmenmacher begannen und auf dem Zenit ihrer Geschäftstätigkeit eine Filiale in New York hielten. Im "Musée de l'Imprimerie" in Lyon gedachte man 2011 in einer Ausstellung dieser Flut von Bildern mit unterschiedlichsten Inhalten (siehe auch Kat. 19 und Kat. 21), die - in den seltensten Fällen gesammelt - mit der Moderne der Vergessenheit anheimfielen und seither durch die digitale Bilderflut in Zahl noch um ein Vielfaches übertroffen wurden.

90

16

Charles Nicolas Cochin
Vincent Le Sueur

Hercule Gaulois ou L'Eloquence  1729
Kupferstich und Clair-obscur-Holzschnitt, 28 x 25 cm
Buchseite aus dem  Recueil Crozat,  Imprimerie Royale, Paris 1729.
Im sogenannten "Recueil Crozat", einem frühen Sammlungskatalog, wurden die Originale mangels Fotografie von französischen Meisterstechern in den klassischen Drucktechniken und deren Kombinationen reproduziert. Der volle Titel (hier ins Deutsche übersetzt) sagt etwas über seinen Anspruch aus: "Sammlung von Drucken nach den schönsten Gemälden und den schönsten Zeichnungen, die es in Frankreich in den königlichen Sammlungen sowie denjenigen des Herzog von Orléans und anderen Sammlungen gibt."

450

17

Toyohara Chikayoshi

Zwei Kabukischauspieler  1878
Zwei Farbholzschnitte ("trick prints") auf Japanpapier, jeweils ca. 35,5 x 23,7 cm (jeweils unten und auf den Seiten beschnitten); Ichikawa Danjuro IX als Enya Hangan und Nakamura Sojuro I als Oboshi Yuranosuke in dem Stück "Kanadehon Chushingura" (auf dem obersten eingeklebten Blatt, darunter jeweils 4 weitere Schauspielerporträts in dem selben Stück)

Leihgabe

18

anonym

Het Nieuw Arlequinspel (Le nouveau Jeu d'Arlequin)  ca. 1880
Holzschnitt, handkoloriert, 31,6 x 28,7 cm
Spielbrett, herausgegeben von Turnhout - Brepol & Dierckx zoon.

250

19

anonym

Vue du Kremlin à Moscou  nach 1850
Lithographie und Pochoir, ca. 35,5 x 45,5 cm
Ausschneidebogen für einen Lampenschirm, den Kreml in Moskau darstellend; hrsg. von Jean-Charles Pellerin für die Imagerie d'Epinal, No. 693
Von diesen Ausschneidebögen wurden von der Imagerie d'Epinal während des 19. Jahrhunderts über 1000 Motive verlegt. (Siehe auch Kat. 21).

450

20

H. Numan

Stryk weg en geef wat  1808
Holzschnitt, handkoloriert und Buchdruck, 39 x 39 cm (Bild)
Brettspiel und Spielanleitung, hrsg. von J. Hendriksen, Drukker en Boekverkooper on de Hoogstraat bij het Stadhuis, Rotterdam 1808

350

21

anonym

Alphabet comique  zwischen 1860 und 1870
Lithographie, Pochoir und Goldhöhung, ca. 35,5 x25,5 cm
Gedruckt von Charles Pinot für die Imagerie d'Épinal, No. 650
Die 1796 gegründete Verlagsdruckerei Epinal mit Sitz in Lothringen, die noch heute Bilder produziert, sorgte während des 19. Jahrhunderts in Frankreich für einen wahren Bilderrausch und inspirierte zahlreiche Verlagshäuser im Ausland mit ähnlicher Produktion. Am Höhepunkt ihrer Produktionsdichte schleuderte diese Manufaktur 12 bis 13 Millionen Blätter pro Jahr auf den Markt, davon Bilderbögen mit militärischen, religiösen und gesellschaftlichen Themen, aber auch Spielkarten, Ausschneidebilder und Tischtheaterdekorationen. Die Herstellungsweise wandelte sich nur wenig im Laufe der Zeit. Zuerst verwendete man Holzstich, dann Metallschnitt und nach 1850 Lithographie und Chromolithographie. Gedruckt wurde mit einer traditionellen Gutenberg-Buchpresse und danach mit der Hand durch eine Schablone koloriert (Pochoir), in besonderen Fällen wie im vorliegenden Blatt auch mit Gold gehöht.

180

22

 

Alois Auer von Welsbach

2 Kupferplatten, um 1855
Matrize zur Plattenherstellung und Tiefdruckplatte für Naturselbstdruck, 45,3  x 30,5 und 45 x 30,2 cm. Alois Auer, der seit 1841 Direktor der k.k. Staatsdruckerei in Wien war und aus dessen Nachlass diese zwei Kupferplatten stammen, schreibt über den 1852 zum Patent angemeldeten Naturselbstdruck in dem viersprachig erschienenen Buch "Die Entdeckung des Naturselbstdruckes" (Wien 1854): "Frage: Wie erlangt man in einigen Secunden fast kostenfrei und täuschend ähnlich von jedem Original eine Druckplatte, ohne eines Zeichners oder Graveurs etc. zu bedürfen? Lösung: Wenn das Original, sei es eine Pflanze, Blume oder ein Insect, Stoff oder Gewebe...zwischen eine Kupfer- und eine Bleiplatte gelegt, durch zwei fest zusammengeschraubte Walzen läuft. Das Original lässt durch den Druck sein Bild mit allen ihm eigenen Zartheiten...auf der Bleiplatte zurück...." Die Bleiplatte wurde zum Zwecke der Vervielfältigung daraufhin galvanisiert und die entstandene Kupferplatte als Tiefdruckplatte gedruckt. Auer im Weiteren: "Bei einem Gegenstande, welcher nicht verletzt werden darf, überstreicht man das Original mit aufgelöster Guttapercha und benutzt...die abgenommene Guttapercha-Form als Matrize zur galvanischen Vervielfältigung..." Naturselbstdrucke konnten sowohl im Hochdruck- als auch im Tiefdruckverfahren hergestellt werden. Bei ersterem erscheint die Zeichnung hell auf dunklem Grund, bei letzterem dunkel auf hell (siehe Kat. Vitrinen Nr. 3). Erstmals in großem Umfang wurde das Verfahren für das mehrbändige Foliowerk der Botaniker Alois Pokorny und Constantin Ritter von Ettingshausen "Physiotypia Plantarum Austriacarum, der Naturselbstdruck in seiner Anwendung auf die Gefäßpflanzen des österreichischen Kaiserstaates mit besonderer Berücksichtigung der Nervation in den Flächenorganen der Pflanzen, k.k. Hof- und Staatsdruckerei Wien 1855 ff." angewendet. In diesem Zusammenhang könnten auch die hier gezeigten Platten entstanden sein.

sold
(Platten mit anderen Motiven auf Anfrage)

22a

Alois Pokorny,
Constantin Ritter von Ettingshausen

Calamintha alpina Lam. 1865 
Naturselbstdruck auf Bütten, 55 x 37,5 cm, aus: Alois Pokorny/Constantin Ritter von Ettingshausen, Physiotypia Plantarum Austriacarum, der Naturselbstdruck in seiner Anwendung auf die Gefäßpflanzen des österreichischen Kaiserstaates mit besonderer Berücksichtigung der Nervation in den Flächenorganen der Pflanzen, k.k. Hof- und Staatsdruckerei Wien 1855 ff., siehe auch Kat. 22

480

23

anonym

Hisopus  um 1550
Holzschnitt, handkoloriert, ca. 21,5 x 15,5 cm (Abb.)
Aus einer der "Dioscoride"-Ausgaben des Pietro Andrea Mattioli (Niccolo Bascarini, Venedig 1544, Vincenzo Valgrisi, Venedig 1548, 1550, 1551, 1554, Lyon, 1554 etc.)

150

24

Frank Brangwyn

Strassenszene  um 1915
Holzschnitt auf Bütten, handkoloriert, 20,5 x 18 cm
Handschriftliche Anweisung Brangwyns an seinen Drucker: "Blue to be as shown above/first print the orange then the blue./then print on top for no 3 the whole of the block/in a warm grey then for no 4 print only the part in black or blue as shown in the cut proof"

650

25

Walter Freiberger

Fest in der Hölle  1911
Holzschnitt auf rotem Karton, 8,5 x 13,5 cm

sold

26

František Kupka

L'Argent  1902
Titelblatt zu: L'Assiette au Beurre, Nr. 41, 11. Januar 1902; mit 16 ganzseitigen Farblithographien von František Kupka, davon 2 auf der Vorder- und Rückseite des Umschlags.

sold

26a

Hap Grieshaber

grieshaber  1965
Holzschnitt auf schwarzem Papier, ca. 31,5 x 24 cm (blattgroß)
Wenn sich ein Holzschneider die Mühe sparen will, all die Flächen wegzuschneiden, die zu eliminieren nötig wäre, um zu einer schwarzen Zeichnung auf weißem Papier zu gelangen, dann druckt er einfach mit weißer Farbe auf schwarzem Papier wie auf diesem kleinen Ausstellungplakat von Hap Grieshaber geschehen. Andernfalls würde die Zeichnung weiß (die unbedruckten Stellen des Papiers) auf schwarz (die eingewalzten Stellen des Druckstocks) stehen. Ähnlich wie Günther Uecker oder Roy Lichtenstein
siehe Kat. 73b verwendete Grieshaber für dieses Motiv Nägel, um im Holz Spuren zu hinterlassen.

180

27

Conrad Felixmüller

Der Kampf mit dem Engel  1917
Holzschnitt, 12,5 x 16,8 cm
"Widmungsblatt" für: Die Aktion, VII. Jahr, Nr. 16/17, hg. von Franz Pfemfert, Berlin 1917

250

28

Maurits Cornelis Escher

Matthäuspassion van Johann Sebastian Bach 1685 - 1750  o. J. (1938), Holzschnitt auf Karton, 15,2 x 10,4 cm
Titelholzschnitt auf Textbuch der Niederländischen Bachvereinigung.
Abgedruckt ist der deutsche Originaltext, alle anderen Angaben sind auf Holländisch, es fehlen allerdings Angaben zu Ausführenden und zum Datum der Aufführung. Möglicherweise gab es dafür einen eigenen Programmzettel und das Textbuch wurde für den Verkauf über mehrere Jahre hin konzipiert. Die Aufführung hätte dann immer am "goede vrijdag" also am Karfreitag stattgefunden.

300

29

Rudolf Bauer

Herwarth Walden Tanz der Töne  um 1915
Umschlaggestaltung von Rudolf Bauer, Verlag Der Sturm, Berlin o.J. (um 1915)

700

30

Ernst Ludwig Kirchner

Neben der Heerstrasse 
Holzschnitt auf Karton, 13,9 x 8,1 cm
Der Holzschnitt war ursprünglich als Titelholzschnitt zum Buch "Neben der Heerstrasse" von Jakob Bosshart konzipiert. Der Stock wurde dann nochmals für die vorliegende Einladungskarte zur Ausstellung in der Galerie Schames vom 10. Februar bis 6. März 1924 verwendet. Die auf ökonomischem Denken beruhende Wiederverwendung älterer Holzstöcke für Neuauflagen oder gänzlich andere Werke, wo sie mitunter auch aus dem Zusammenhang gerissen erscheinen, war also nicht nur Sache des frühen Buchdrucks. Die Karte ist frankiert und gelaufen und an den Bonner Kunsthistoriker Heribert (hier falsch: Herbert) Reiners adressiert.

sold

30a

anonym

Schleierreliquie  1565
Buchdruck, Holzschnitt, Stoff unter Papiersiegel und schwarze Tinte auf Bütten, ca. 27 x 19 cm (Blatt).
Der Text dieser "Attestazione"(Bescheinigung) lautet wie folgt: "Ich, der unterzeichnete Kustos des Heiligen Hauses von Loreto, bescheinige, daß der schwarze Schleier, mit Siegel versehen und dem Vorliegenden beigefügt, am Gründonnerstag und Karfreitag der geweihten Lauretanischen Statue angelegt wurde und dann mit der heiligen Mauer, dem heiligen Kleid und der Heiligen Schale der allerseligsten Jungfrau, die in diesem, ihrem Hause aufbewahrt werden, in Berührung gebracht wurden, Im Glauben....Loreta dalla Custodia, .... 1565".
Die Eisengallustinte, mit der der Kustos Antonio Lucidi dieses Attest "gratis" - darauf wird extra hingewiesen - unterzeichnete, hat sich im Laufe der Zeit durch das Papier gefressen. Ein Umstand, der für die schleichende und leider unaufhaltsame Vernichtung auch wertvollster Autographen (z.B. derjenigen J.S. Bachs) sorgt. Ephemera dieser Art und diesen Alters (die Ausstellung erfolgte noch zur Bauzeit der Basilika Loreto) haben sich bis zum heutigen Tag in den seltensten Fällen erhalten.

sold

31

 

Christian Rohlfs

Unterredung  1913
Druckschablone und zwei Probedrucke (Andruck und Durchdruck), ca. 27,5 x 31,2cm
Einer der faszinierendsten Druckgrafiker, dessen Wurzeln mit dem Geburtsdatum 1849 eigentlich in der deutschen Romantik liegen, war Christian Rohlfs, dessen Stil genauso eigenartig wie wandlungsfähig war und eigentlich keiner bestimmten Richtung eindeutig zugeordnet werden kann. Neben seiner lyrischen, dem Impressionismus nahestehenden und oft die Abstraktion streifenden Malerei,  liebte Rohlfs das grafische Experiment, weniger in der Motivik, wo er einer, wenn auch oft sehr verknappten Figuration verbunden blieb, als in technischer Hinsicht. Ähnlich wie später Paul Klee frönte Rohlfs seiner Lust an neuen Wirkungen und Kombinationen unter Anwendung diversen Mischtechniken. So finden sich bei Rohlfs praktisch nie Auflagen mit dem Anspruch an eine gleichbleibende Druckqualität, dafür aber verschiedene, oft handüberarbeitete Zustände desselben Motivs. Dem im Zusammenhang mit Druckgrafik oft zu hörenden Argument, daß Vervielfältigung per se eine Einbuße an Originalität und folglich auch an Wert bedeute, setzt Rohlfs seine wandelbare, auf kaleidoskopartige Wirkungen zielende Phantasie entgegen, durch die jede seiner Druckgrafiken zum Unikat wird.

4500

32

anonym

 

 

 


sold

Vier Katagamis  19. Jh.
Vier japanische Färberschablonen, 25 x 41,2 cm bis 31,2 x 41,3 cm

je 350

33

Axl Leskoschek

O Eterno Marido (Der ewige Gatte)  1943
2 Entwurfskizzen für Titel- und Schlußvignette, Linoldruckplatte und signierter Linolschnitt auf Japanpapier, 18,2 x 12,3 cm (Blatt) und 10,5 x 9,5 cm (Stock). Dieser Linolschnitt und 10 weitere entstanden für:  Fjodor M. Dostojewski: O eterno marido, Verlag José Olympio, Rio de Janeiro 1944

500

34

Karl Schmidt-Rottluff

Gebrauchsblätter, Holzschnitte  1923
Zwei Holzschnitte auf Bütten, 17,6 x 13,7 cm, 18 x 13,2 cm
Probedruck vor der Auflage von 30 röm. num. Ex. in: Rosa Schapire: Karl Schmidt-Rottluffs graphisches Werk bis 1923. Berlin: Euphorion Verlag, 1924
Zu dieser Serie gehören noch zwei weitere signierte typographische Holzschnitte auf Bütten von Schmidt-Rottluff mit den Titeln bzw. geschnittenen Inschriften "Radierungen und Stiche" und "Steindrucke" (Ansicht auf Anfrage). Die vier Blätter werden nur zusammen abgegeben.

4 Blätter
3500

35

Josua Reichert

Vier Typografien  um 1970
Hochdruck auf Karton, je 19 x 10,9 cm

300

36

José Guadalupe Posada

Gran Alarma escandolosa, Terrible y verdadera noticia, Tiernas Suplicas  1910/1910/1903
Zinkhochätzung und zwei Metallschnitte auf farbigem Zeitungspapier, Blattgrößen von 24,5 x 16 cm bis 24,5 x 18 cm
Drei Einblattdrucke aus der Imprenta de Antonio Vanegas Arroyo, México. Diego Rivera, ein Freund Posadas, schieb in einem, den Heros der mexikanischen Revolution aufnehmenden Stil im Vorwort zur ersten Monographie übe den populären Künstler: "Posada, ein mit überreicher Phantasie ausgestatteter Schöpfer von gleicher Bedeutung wie Goya oder Callot, produzierte wie eine sprudelnde Quelle. Der Darsteller des  steinigen Weges des mexikanischen Volkes, seiner Sorgen und seines Glücks, entwarf laut seinem Verleger Vanegas Arroyo mehr als 15000 Illustrationen. Als Vorläufer von Flores Magón, Zapata und Santañón und selbst Handwerker, grub er, bewaffnet mit  Grabstichel und Säure, ins Metall, um den Ausbeutern die schärfsten Schmähungen ins Gesicht zu schleudern - ein  mit Flugblättern bewaffneter Guerrillero und ein Heroe der oppositionellen Presse."

je 200

37

anonym

Divadlon  1881
Zinkhochätzung und Buchdruck auf Bütten, 43,3 x 24,7 cm (Schmuckleiste). Ankündigung zu einer Faschingsvorstellung des Wiener Männergesangsvereins, datiert "25. des Eislaufmonats 1881".
In vollkommen sorgloser politischer Unkorrektheit kündigt der Männergesangsverein ein "Mustergastspiel der vom Gemeinderath der Zulukaffern vertriebenen reindeutschen Gesellschaft" an. Dem 1843 gegründete Gesangsverein, der noch heute existiert, stand zur Zeit des Baus des berühmten Wiener Musikvereinsgebäudes am Karlsplatz Nikloaus Dumba vor. Dumba - ein einflussreicher Musikmäzen - war zu dieser Zeit auch Vizepräsident der im Musikvereinsgebäude residierenden "Gesellschaft der Musikfreunde" und so wurde auch der Männergesangsverein zu einem der Gründungsstifter des neuen Gebäudes. Der kryptische Titel "Divadlon" dürfte ganz einfach auf das tschechische Wort "Divadlo = Theater, Spektakel" zurückzuführen sein.

150

38

Joop van den Berg

N.V. Drukkerij v/h De Brakke Grond  1929
Farblinolschnitt auf Karton, 51,5 x 30,5 (Blatt)

350
inkl. Rahmen

39

Rixdorfer

Sieben Jahre Rixdorfer Werkstatt  1970
Tableaudruck aus 8 Holzschnitten auf Plakatpapier, 71,4 x 48,4 cm
Plakat der Galerie Nierendorf zum 7-jährigen Bestehen der  Werkstatt Rixdorfer Drucke, Berlin 1970
Die Galerie Nierendorf, gegründet 1920, war vor allem während der sechziger und siebziger Jahre bemüht, ihre Publikationen und Akzidenzdrucke - Einladungen und Plakate, Sonderkataloge, die von ihr herausgegebenen "Kunstblätter" bis zu den Jubiläumsschriften zum 50- und 60-jährigen Bestehen mit Originalgrafik zu "trüffeln".

100

40

Gerhard Marcks

Der Wachhund  1977
Farbholzschnitt auf Plakatpapier, 70,4 x 49,4 cm
Plakat der Galerie Nierendorf zur Ausstellung anlässlich des 90. Geburtstages von Gerhard Marcks, der zu diesem Anlass den auf dem Plakat abgedruckten Linolschnitt eigens schuf, Berlin 1970
(siehe auch Kat. 39)

250
inkl. Rahmen

41

André Masson

Akt  1956
Farblithographie auf Chine appliqué, 38,4 x 29,7 cm
Probedruck, bezeichnet "bon à tirer"
"Bon à tirer" - wörtlich "Gut zum Abziehen" heißt im Deutschen "Gut zum Druck". Aber auch im Deutschen gilt ein einzelnes gedrucktes Blatt, egal in welcher Drucktechnik, als "Abzug". Und der Vermerk "bon à tirer" - entweder vom Drucker oder wie in unserem Fall vom Künstler selbst am Blattunterrand angebracht - bedeutet, daß nach einer Reihe von Probedrucken, mit eventuellen Farbkorrekturen aber möglicherweise auch noch Korrekturen am Stock (beim Holzschnitt), auf der Platte (beim Tiefdruck oder beim Linolschnitt) oder am Stein (bei der Lithographie) der gewünschte Druckzustand erreicht wurde und zum Druck der Auflage mit einer vorbestimmten Anzahl von Abzügen fortgeschritten werden kann. Im Falle unseres Ausstellungstitels bedeutet "bon à tirer" im übertragenen Sinn auch "Alles, was zum Druck geeignet ist".

sold

41


Man Ray et al.

Akt  1936
Kupfertiefdruck auf glattem Papier, 36,9 x 26,1 cm
Eine von 28 Tafeln aus dem Mappenwerk: 28 Études de Nus; mit Fotografien in Kupfertiefdruck u.a. von Man Ray, Andreas Feininger, Nora Dumas, Rémy Duval, Pierre Boucher etc.; mit einem Vorwort von Abel Bonnard und dem Gedicht "Corps de la femme" von Rémy Duval, hrsg. von Arts et Metiers Graphiques, Paris 1936

Mappe komplett
1200

42

Francisco Goya

Subir y bajar  1799
Radierung und Aquatinta auf Bütten, 21,9 x 15 cm
Aus den "Caprichos". Druck vor dem Abschleifen der Plattenränder und mit den Zeichen des "false biting" bzw. der "fausse morsure", also den Stellen außerhalb der Darstellung, die unabsichtlich mitgeätzt wurden und dadurch Farbe annahmen. Bei späteren Auflagen waren diese Stellen der Platten auspoliert und daher nicht mehr sichtbar. Das feine, gut sichtbare Aquatintakorn ist ein weiterer Hinweis auf eine frühe Auflage, der Fingerabdruck (des Druckers?) rechts unten und der leicht auslassende Druck im linken Hintergrund könnten ein Hinweis darauf sein, daß das Blatt aus der Auflage (die 80 Blätter der Caprichos wurden immer zu Alben gebunden) ausgeschieden wurde oder als Probedruck diente.

sold

42a


Honoré Daumier

L'Héritier présomptif  1843
Lithographie und Feder auf Velin, 24,5 x 20,5 cm
Erstdruck vor dem Druck von Titel und Untertitel, diese recto in verschiedenen Handschriften hinzugefügt. Verso mit Adressangabe „Monsieur Jaimes / 9 place Bréda“ sowie Hinzufügung „Très pressé / Le portier est prié de le monter de suite“ („Sehr eilig / Der Portier wird gebeten, es sofort hinaufzubringen“). Verso mit dem Stempel der Sammlung R. Gaston Dreyfus.
Schönes und extrem seltenes Beispiel der Visualisierung eines kritischen Augenblicks bei der Entstehung von Gesellschaftssatire, gezeichnet und mit Worten versehen von ihrem genialsten Repräsentanten im 19. Jahrhundert - Honoré Daumier. Schriftvergleiche mit Briefen Daumiers ergeben, daß die Bildunterschrift höchstwahrscheinlich vom Künstler selbst geschrieben wurde. Die Tatsache, daß nach dem ersten Wort des Titels „L‘Héritier“ („Der Erbe“) ein fetter Punkt prangt und erst dann das näher umschreibende und die Ironie verstärkende „présomptif“ („vermutlich“) in etwas kleinerer, aber in der gleichen Handschrift folgt (und also offensichtlich ein späterer Einfall ist), versetzt uns in die seltene Lage, dem kreativen Prozess des Autors bei der Titelfindung folgen zu können. Es wäre außerdem ein Hinweis darauf, daß Daumier selbst für die Bildtitel verantwortlich war, während Serientitel und ausführliche Bildunterschrift redaktionell erfolgten. Ebenso wurde natürlich die kreative Spur, der trennende Punkt zwischen „L‘Héritier“ und „présomptif“ für die Drucklegung vom Redakteur später getilgt.

sold

43

John Skippe

Vier groteske Köpfe  (nach Parmigianino, Schule)  1810
Clair-Obscur-Holzschnitt von 3 Stöcken auf Bütten, 12,5 x 14,7 cm
John Skippe, ein englischer Autodidakt im Bereich der Kunst, schuf dieses Blatt, als die Technik des mit dem italienischen Manierismus in der Mitte des 16. Jahrhunderts untrennbar verbundenen Chiaroscuro-Holzschnitts schon längst nicht mehr 'en vogue' war. Möglicherweise wollte Skippe  aber solcherart durch diese Kopie einer Zeichnung aus seiner eigenen Sammlung seiner Wahlheimat Italien eine Reverenz erweisen. Er führt dabei eine Tradition fort, die in den sogenannten Galeriewerken des Hochbarock ihren Ausgang fand (siehe Kat. 16), als man begann, königliche aber auch private Sammlungen mittels aufwändiger Drucktechniken in Foliobänden zu reproduzieren und zu katalogisieren.

800

44

Martin Schongauer (nach)

Die große Kreuztragung  vor 1485
Kupferstich auf Bütten, 28 x 42,5 cm
Kopie eines anonymen Meisters aus dem frühen 16. Jahrhundert.
Der bei seiner Entstehung größte Kupferstich, der bis dahin geschaffen wurde, wurde auch am häufigsten kopiert und zeigt seinen großen Einfluß auf die Zeitgenossen, nicht zuletzt durch die Rezeption von Künstlern wie Memling, Dürer oder Raffael.

sold

45

Ferdinand Piloty

Apollo  1807
Lithographie auf Velin, 18,7 x 14,3 (oval)
Alois Senefelder - der Erfinder der Lithographie - entwickelte das neuartige Flachdruckverfahren, bei dem Solnhofer Plattenkalk so präpariert wird, daß ein mit fetthaltiger Farbe auf den Stein gezeichneter Text oder ein Bild nach dem Entfernen vom Stein Druckfarbe aufnehmen kann, zunächst für eine vereinfachte Herstellung von Notendruck. Dieser musste bislang in mühsamer Arbeit Note für Note in Kupferplatten gestochen werden. Eines der frühesten Unternehmen, bei dem die Lithographie im großen Stil als bildgebendes Verfahren diente, war die Reproduktion der Zeichnungen und Gemälde der Sammlungen des bayrischen Königshauses durch Johann Nepomuk Strixner und Ferdinand Piloty. In diesem Zusammenhang dürfte auch unser Blatt entstanden sein.

500
inkl. orig. Biedermeier-rahmen

46

Odilon Redon
Georges Aubert

La Tentation de Saint Antoine  1888/1933
22 Holzstiche auf Velin, 12,2 - 15,4 x 9,4 - 12,5 cm
Verkleinerte Widergaben der Lithographien von Odilon Redon durch Georges Aubert, hrsg. von Ambroise Vollard, Paris 1933
Die meisterhaften Holzstiche, die die Originallithographien des von Vollard mehrfach herausgegebenen Mappenwerks verkleinert widergeben, dienten als bebildertes Inhaltsverzeichnis der Mappe. Beim Kopieren und Übertragen in ein anderes Medium mit vollkommen eigenständigem Charakter folgt Aubert einer alten Tradition, die sich seit der Renaissance mit zahlreichen Beispielen belegen läßt und im Barock mit den sogenannten Galeriewerken zur Entstehung der ersten, prächtig ausgestatteten Sammlungskataloge führte. Dort wurden Gemälde und Zeichnungen der königlichen Sammlungen aber auch bedeutender Privatsammlungen durch Meisterstecher in die jeweiligen druckgrafischen Medien wie Kupferstich, Radierung oder Clair-obscur-Holzschnitt, nicht selten auch in eine Kombination dieser Techniken, übersetzt. Oft wurden solche Blätter, wie auch viele Kopien kleinerer Meister nach originalgrafischen Vorbildern (siehe Kat. 44) oder die italienischen Chiaroscuri (siehe Kat. 75) pauschal als "Reproduktionsgrafik" bezeichnet, wogegen wir heute eine differenziertere Anschauung des Begriffes "Kopieren" in früheren Zeiten pflegen.

650

47

Conrad Felixmüller

Arnold Schönberg  1914/1973
Radierung von einer fotomechanisch hergestellten Platte nach einem Originalabzug, 23,5 x 18,3 (Plattenrand).
Felixmüllers Bewunderung für Schönberg dürfte auf einem Besuch einer Aufführung von Schönbergs Liederzyklus "Pierrot Lunaire" zurückzuführen sein. 1912/13 schuf Felixmüller im Anschluss daran eine Illustrationsfolge zum Pierrot in Holzschnitt und widmete diese Schönberg. Das radierte Portrait des Komponisten entstand 1914, doch wurden damals nur wenige Probeabzüge hergestellt. Die Platte ging verloren und wurde von Felixmüller nach einem vorhandenen Originalabzug rekonstruiert und in einer Auflage von 20 Exemplaren wiederaufgelegt. Wenn auf ein Blatt das Wort "Reproduktionsgrafik" zutrifft, dann auf dieses.

750

48

Emil Nolde

Acht Buchschmuck-Kopfleisten  1924
Acht Holzschnitte auf Bütten, 3,9 x 10,9 bis 6 x 11cm
Signiert "Emil Nolde" und von Gustav Schiefler eigenhändig "168 - 175" nummeriert sowie von ihm "1924" datiert und mit "Buchschmuck-Kopfleisten f. d. Katalog" bezeichnet. Am Blattunterrand mit römischer Nummerierung III. Acht Probedrucke für Buchschmuck-Vignetten für die Erstausgabe des 2. Bandes von "Gustav Schiefler: Emil Nolde. Das graphische Werk", Berlin, Euphorion 1926. Der erste Band von Schieflers Werkverzeichnis der Grafik Noldes enthielt 25, der zweite Band 32 Vignetten. Die acht, als Tableau von Gustav Schiefler selbst montierten und von Nolde signierten Vignetten sind in dieser Form Unikate. Provenienz: Nachlass Gustav Schiefler. Gustav Schiefler (1857-1935), ein Hamburger Richter, war einer der bedeutendsten Förderer der expressionistischen Künstlergrafik um 1900 und verfasste die ersten Werkverzeichnisse der Grafik von Wilhelm Laage, Emil Nolde, Ernst Ludwig Kirchner, Max Liebermann und Edvard Munch. Über die Freundschaft und den Austausch mit diesen und anderen Künstlern (Schiefler war unter anderem auch passives Mitglied der Künstlergruppe "Brücke"), sowie über viele Details zum Entstehungsprozess ihrer Grafiken gibt Schiefler in seinem Buch "Meine Graphiksammlung" Auskunft.

auf Anfrage

49

Arthur Illies (zugeschrieben)

Ex Libris Gustav Schiefler  um 1910
Farbholzschnitt auf Bütten, 14,7 x 9,5 cm

80

50

Wilhelm Laage

Sie (Porträt Hedwig Laage)  1913
Wachsschnitt auf Japanbütten, 12 x 11 cm

750

51

Robert Hammerstiel

Dämmerung  1979
Holzschnitt auf Karton, ca. 52 x 75 cm

650

52

Dalloul

Empreinte (Abdruck, Spur)  1990
Erstes Blatt einer Serie von Originaldrucken aus: Jean Attali (Hrsg.): L'Estampe. Le multiple imprimé. De L'empreinte à l'informatique. Einleitung von Yves-Marie Heude. Eines von 300 Ex., Ademi, Paris 1990 (französisch). Mit 17 Druckgrafiken auf unterschiedlichen Papieren mit Darstellungen und Erklärungen der hauptsächlichen künstlerischen Druckverfahren wie Holzschnitt, Typographie, Kaltnadel, Schabkunst, Radierung, Vernis mou, Aquatinta, Heliogravure, Lithographie, Offset, Serigraphie, Photographie und Digitaldruck. Mit zwei Blättern Einleitung und vier erklärenden Textblättern. In Kartonmappe, diese in weiß gestrichenem Umschlag aus Bambusmatte mit japanischem Kordelverschluss.

Mappe komplett
400

53

Lynd Ward

Madman's Drum  1930
16 Holzstiche recto und verso auf einem (beschädigten), gefalzten Druckbogen, 81 x 56 cm (Blatt). Dieser Bogen war ursprünglich zum Buch "Madman's Drum", einer düsteren Bildergeschichte in Holzstichen ohne Text gedacht. Die Anordnung der Illustrationen entspricht dem Falzschema bei einem Oktavformat und 16 Seiten nach Falzung. Durch einen technischen Unfall verließ der Bogen die Druckpresse offensichtlich in schwer beschädigtem Zustand, dem Drucker gefiel es aber, ihn zu behalten und ihn sogar - zum Zeichen der Authentizität - vom Künstler signieren zu lassen.

350

54


sold

Honoré Daumier

Intérieur d'un omnibus (Im Omnibus)
Holzstich, 15,8 x 22,2, aus: "Le monde illustré", 1864
Train de Plaisir, 10 degrés d'ennui et de mauvaise humeur
(Lustige Fahrt, 10 Grad Langeweile und schlechte Laune)
Holzstich, 15,7 x 22,5 cm, aus: "Le Charivari", 1850

je 100

55

Adolph Menzel

Das Publikum im Zuschauerraum vor dem geschlossenen Vorhang  1877, Holzstich auf Bütten, 22,5 x 14,5 cm
Aus: Heinrich von Kleist, Der zerbrochene Krug, mit 30 Holzstichen von Adolph v. Menzel, Berlin A. Hofmann & Co. 1877

150

56

Elsa Martini

Schabe, Goliathkäfer, Hirschkäfer  2014
Schablonendruck, Stanzpapierdruck und Spritztechnik, Blattgrößen von ca. 40,5 x 20,8 bis ca. 45 x 20,8 cm

alle drei 900

57

Valie Export

Selbstporträt  1999
Siebdruck über Offset auf Karton, 21 x 31 cm
Einblatt Nr. 26, Edition Horst Jansen, Viersen 1999
Valie Export, in den 60er und 70er Jahren durch ihre Aktionen, in denen sie ihren eigenen Körper zur Disposition stellte, berühmt geworden, machte Ende der 90er und damals als Professorin für Multimedia-Performance an der Kunsthochschule für Medien in Köln längst im Mainstream angekommen, mit diesem als "Selbstporträt" bezeichneten Schnipsel ihres eigenen genetische Codes einen weiteren ironischen, wenn auch weniger handgreiflichen Kommentar zur Frage ihrer eigenen Identität.

sold

58

Edgar Degas

Aux Ambassadeurs  1879/1880
Radierung, Vernis mou, Kaltnadel und Aquatinta auf Bütten,
ca. 24,9 x 29,5 cm
5. Zustand, Druck von der gelöschten Platte; eines von ca. 150 Exemplaren gedruckt von Ambroise Vollard, Paris

1200

59

Emil Filla

Frau im Sessel  um 1930
Radierung und Vernis mou auf Bütten, 22,5 x 17 cm
Um das Stoffmuster des Sessels in dieser surrealistischen Radierung wiederzugeben, benützte der Künstler realen Stoff mit Durchbruchmuster, der in den weichen Ätzgrund gedrückt wurde.

sold

60

Jean-Baptiste Camille Corot

Le petit cavalier sous bois  1854
Cliché-verre auf Velin, 20,5 x 15,6 cm
Eines von 150 Exemplaren der Auflage Le Garrec von 1921; mit Stempel und handschriftlicher Nummerierung verso.

sold

60a

Jean-Baptiste Camille Corot

Le grand cavalier sous bois  1854
Cliché-verre auf Velin, 30 x 24 cm
Eines von 150 Exemplaren der Auflage Le Garrec von 1921; mit Stempel und handschriftlicher Nummerierung verso.

sold

61

Peter Royen

Paar  1950
Farbholzschnitt auf Japanpapier, 22 x 11,5 cm
Beim klassischen Farbholzschnitt entsteht ein Farbprofil nicht nur durch den passgenauen Nebeneinanderdruck unterschiedlicher Farben, sondern es entstehen neue Farben gerade durch den Übereinanderdruck zweier oder mehrerer Farben wie in diesem Holzschnitt von Peter Royen. Zum besonderem Reiz trägt auch noch die Wahl eines grobfaserigen Japanpapiers bei, das dem Paar einen quasi-ornamentalen Rahmen gibt.

400

62

Ewald Mataré

Weide  1928
Farbholzschnitt auf Japanpapier, ca. 20,4 x 26,3 cm
Wie Edvard Munch nützt der Bildhauer Ewald Mataré das Zerschneiden und individuelle Einfärben der Teile einer Holzplatte, um in jedem Abzug zu einem unikaten Ergebnis zu gelangen. Obwohl gedruckt, steht bei seinen Arbeiten, bei denen es von jeden Motiv nur wenige, divergierende Abzüge gibt, der Gedanke der Vervielfältigung vollkommen im Hintergrund. Da sich Mataré außerdem auf einige wenige Motive, vor allem Tiermotive, die immer wieder neu abgewandelt werden, konzentriert, ist sein Holzschnittwerk ebenso monumental wie reduziert, ebenso ornamental wie experimentell.

5500

63

Paul Gauguin

Mahana Atua  1894/95
Holzschnitt von 6 Platten auf Chinapapier,  18,2 x 20,4 cm
Druck 1921 von Pola Gauguin (dem Sohn Paul Gauguins). Ex Sammlung Henri Marie Petiet (mit dessen Stempel "H.M.P." verso), der mit Pola Gauguin befreundet war und folglich das vorliegende Blatt höchstwahrscheinlich noch aus dessen Händen erhielt. Ex. Nr. 74 der Auflage von 100.

sold

64

Emil Orlik

Im Atelier 1898
Farbholzschnitt, 13,3 x 15,5 cm
1. Zustand vor der Auflage in den "Kleinen Holzschnitten"
Probedruck, so abgebildet in: Die Graphischen Künste, XXV. Jg, 1902
Im Beitrag über Orlik in den "Graphischen Künsten", kurz nach dessen Rückkehr aus Japan veröffentlicht, ist wahrscheinlich genau das vorliegende Exemplar abgebildet, das laut Vorbesitzer ursprünglich aus dem Besitz von Marie von Gomperz stammt, mit der Orlik ausführlich korrespondierte. Die selten gewordene Nummer XXV/1902 der "Graphischen Künste", die außerdem den berühmten Leporello "'Maler, Holzschneider und Drucker in Japan" von Emil Orlik enthält, ist ebenfalls in der Galerie Hochdruck erhältlich.

1800
inkl. Rahmen

65

Wilhelm Laage

Frühlingssturm  1899
Farbholzschnitt auf Chine-collé, 27,7 x 34,6 cm
Eines von wenigen Künstlerexemplaren. Wilhelm Laage gehörte zu den führenden Vorläufern des deutschen Expressionismus. Der Verfasser von Laages Werkverzeichnis der Druckgrafik Alfred Hagenlocher bemerkt dazu: "Als Erneuerer des Holzschnitts in Deutschland steht er, in Verwandtschaft zu Edvard Munch, in der vordersten Reihe des Aufbruchs zum 20. Jahrhundert."

1200

65a

Kitagawa Utamaro

Shunga  1802/03
Holzschnitt auf Japanpapier, 17,6 x 25,5 cm (Doppelblatt) Doppelseite aus: Michiyuki koi no futusao

450

65b

Kitagawa Utamaro

Shunga  1802/03
Holzschnitt auf Japanpapier, 17,6 x 25,5 cm (Doppelblatt) Doppelseite aus: Michiyuki koi no futusao

450

66

Franz M. Jansen

Brügge 1912/1930
Farblinolschnitt auf Werkdruckpapier, ca. 25 x 25 cm
Bezeichnet "Orig. Holzschnitt, Handdruck". Gedruckt 1930. Jansen, der in den 20er Jahren hochexpressionistische Schwarz-Weiss-Holzschnitte mit oft politischen Motiven schuf, war in diesem Linolschnitt offenbar noch vom Japonismus beeinflusst. Einen Linolschnitt mit der Bezeichnung "Holzschnitt" quasi aufzuwerten, war schon bei Gabriele Münter ein paar Jahre zuvor gängige Praxis, um die Verkaufschancen zu erhöhen. War doch das Linoleum in den Jahren vor dem 1. Weltkrieg eher dem Kunstgewerbe vorbehalten (viele Topdesigner des Jugendstils wie z.B: Peter Behrens oder Josef Hoffmann lieferten Musterentwürfe für Bodenbeläge), bis der Linolschnitt einerseits von der Grosvenor School um Claude Flight im England der 30er Jahre und endgültig durch Picasso nobilitiert wurde. (siehe auch Kat. 71)

1200

66a

Utagawa Kuniyoshi

Kabukischauspieler 1848
Farbholzschnitt auf Japanpapier, 37,1 x 25,4 cm (Blatt)
Nakamura Utaemon IV als Ôtaka Tonomo verkleidet als Nôshi Kiritake Budayû im Stück "Imayô mosazuki (今様望月)". Achtes Monat 1848, Nakamura Theater. Signatur: Ichiyûsai Kuniyoshi ga, Verleger: Ebiya Rinnosuke, Zensursiegel: Watanabe Shoemon

sold

67

Otto Heinrich
Strohmeyer

Schöpfung  1918
Linolschnitt auf rotbraunem Bütten, Ø 13,1 cm
Der Architekt Otto Heinrich Strohmeyer schuf in den 20er Jahren eine Reihe von Linolschnitten, die futuristische Stadtlandschaften in Anlehnung an real existierende Bauten seiner Heimatstadt Hamburg wiedergeben. Er nutzte dabei die Technik des Linolschnitts, die einen einfachen Schnitt in jede beliebige Richtung zulässt (also anders als beim Holzschnitt unabhängig von einer eventuellen Faserrichtung des Holzes ist), um gitterartige Strukturen darzustellen. Angeregt wurde er dabei von der gleichzeitig ausgeübten Technik des Scheren- oder Messerschnitts (siehe Kat. 70). Der Linolschnitt "Schöpfung" - hier ein Probedruck - entstand höchstwahrscheinlich im Auftrag der politischen Zeitschrift "Die Aktion" (siehe Kat. 27), wo er als Originalgraphik publiziert wurde.

sold

67a
neu

Stanley William Hayter

Bonifacio  1926
Holzschnitt auf Velin, 10,2 x 14,8 cm
Probedruck; der einzige bekannte Abzug dieses frühen Blattes von Hayter, der später für seine von einer Platte gedruckten Farbradierungen berühmt wurde.

1200

68

John Platt

Siesta  1925
Farbholzschnitt auf Bütten, 23,3 x 32,9 (Bildmaße innen)
Bezeichnet als "experimental proof"
John Platt gehörte einer Generation von englischen Holzschneidern an, die vom Japonismus beeinflusst waren und neben gewissen Stilprinzipien der Künstler des Ukiyo-e auch technische Details des japanischen Holzschnitts, wie den Druck mit Wasserfarben oder die Anwendung subtiler Farbverläufe übernahmen.

900

69

Léopold Survage

Ohne Titel  1934
Einer von zwei Abklatschdrucken von einem Holzschnitt, 22,4 x 16,4 cm
Auch bei Survage, der dem Surrealismus nahestand, war sicher die Experimentierlaune Vater des Gedankens, von einem frischen Abzug eines Holzstocks noch einen Umdruck herzustellen, wobei sich das Blatt augenscheinlich beim Druck verschoben hat, was durch die doppelten Konturlinien, die sozusagen eine Vibrationseffekt erzeugen, sichtbar wird. Ob dies Absicht oder Zufall war, mag dahingestellt bleiben. Letzterer würde aber gut zu Bretons surrealistischem Credo der "écriture automatique" passen, bei der dem Zufall eine entscheidende Rolle bei der Erzielung künstlerischer Wirkungen eingeräumt wird.

850

70

Otto Heinrich
Strohmeyer

Stehender Rückenakt  1918
Papierschnittdruck auf Japanpapier, 24 x 8 cm (Blatt)
In 1918 machte Strohmeyer, der für seine futuristischen Ansichten Hamburgs bekannt wurde, eine Reihe von Scheren- oder Messerschnitten. Wie viele dieser Schnitte er auch abgedruckt hat, ist unklar. Im vorliegenden Fall folgt er aber einer bereits zur Tradition gewordenen Einführung der Moderne, sich von japanischen Färberschablonen, die in den Kunstgewerbemuseen der Zeit allgegenwärtig waren, inspirieren zu lassen (siehe auch Kat. 31, 32). In der Folge übernahm Strohmeyer den typischen, gitterartigen Stil des Messerschnitts auch für seine Linolschnitt-Arbeiten (siehe Kat. 67).

sold

70a

Otto Heinrich
Strohmeyer

Gebeugter Rückenakt  1918
Scherenschnitt auf Japanpapier, 23,9 x 17,4 cm (Blatt)
Siehe vorige Nummer.

sold

71

Lill Tschudi

Dancers  1937
Farblinolschnitt auf Japanpapier, ca. 26 x 28 cm
Die einzige Schule, die jemals dem Farblinolschnitt mit seiner vereinfachten, doch umso effektvolleren Linienführung und den Möglichkeiten einer raffinierten Farbgestaltung den Vorzug gab, war die englische Grosvenor School um ihren Gründer Claude Flight, die in den 20er und 30er Jahren des 20. Jahrhunderts Künstler wie Cyril Power, Sybil Andrews und eben auch die Schweizerin Lill Tschudi hervorbrachte. Die Farblinolschnitte der Grosvenor School zählen neben den Arbeiten Picassos aus den 60er Jahren zu den besten und interessantesten Arbeiten, die jemals in dieser Drucktechnik entstanden.

sold

71a
neu

Hans Haffenrichter

Tanzschild Vogel  1923
Linolschnitt auf Maschinenbütten, ca. 20,2 x 14,5 cm
unsigniert (Probedruck?), verso mit dem Nachlass-Stempel "Hans Haffenrichter/Hittenkirchen/Nachlass" und mit Bleistift von Heta Haffenrichter signiert, betitelt "Tanzschild Vogel", datiert "1923" und mit der Werknummer "83/23" versehen.

450

72

Otto Rudolf Schatz

Brooklyn Bridge  1936/37
Tuschpinselzeichnung über Abdruck von Holzstock, ca. 32 x 46 cm
O. R. Schatz, berühmt sowohl für seine sozialkritischen Holzschnitte  und Darstellungen menschenleerer Industrielandschaften aus den 20er Jahren als auch für seine Farbgemälde von New York , schuf diese flüchtige und fast asiatisch anmutende Reiseskizze über einem Hintergrund, der die Düsternis der Szene verstärkt und dessen experimentelle und für Schatz ungewöhnliche Behandlung dem Blatt einen besonderen Reiz verleiht.

3500

73

Črtomir Frelih

No/Yes, Nula  2015
Zwei Collagraphien auf Bütten, 41,5 x 29 cm
Die interessante Technik der Collagraphie benützt Frelih dazu, um ein noch spontaneres Ergebnis zu erzielen, als das bei der Radierung möglich wäre. Auf eine Holzplatte wird dabei mit dem Pinsel und einem Gemisch aus Sand und Kleister gezeichnet. Nach dem Aushärten entsteht so ein Hochdruck-profil, das exakt dem Pinselduktus beim Zeichnen entspricht, wobei natürlich auch noch zusätzliche Techniken wie das Auskratzen von Partien aus dem noch feuchten Sandgemisch oder das Arbeiten mit Schablonen hinzukommen können. Frelihs Arbeiten, in denen ein oder mehrere Füchse ihr (Un)wesen treiben, sind unter Einbeziehung von Schlagwörtern oder knapper Wort-phrasen ebenso plakativ wie geheimnisvoll. Es verwundert daher nicht weiters, daß die absolute Verneinung "No" im Negativverfahren (also weiße Zeichnung auf schwarzem Grund) und die zweite Möglichkeit, "nein" zu sagen, nämlich frei übersetzt "ja, aber..." im Positivverfahren (schwarz auf weiß) dargestellt wird.

je 400
Rahmen je 120

73a
neu

Roy Lichtenstein

Polemic   1959
Holzschnitt auf zweimal gefalztem Bütten, 25,4 x 52,5 cm (Blatt)
Schutzumschlag zu: Polemic, a journal of contemporary ideas, Vol. IV, No. 1, Spring 1959, hrsg. vom Student Council, Adelbert College, Western Reserve University, Cleveland.
Schrauben, Nägel, Ketten, Büroklammern: es gibt nichts, von dem der Holzstock in der Hand Lichtensteins verschont geblieben wäre. Hier war noch ein dunklerer und beinahe böser Lichtenstein unterwegs (Mary Lee Corlett: For a brief time Lichtenstein was a latecomer to the abstract expressionist style), als in den späteren Siebdrucken der Pop Art, was dem programmatischen Titel "Polemic" des im Übrigen künstlerisch auch im Inneren aufwändig gestaltetem Studentenmagazins gebührend Nachdruck verleiht.

1200

74




Salvador Dalí

Der starke Riese Antäus  1959
Ätzung und Handgravur auf Kunstharz, je 24,6 x 18 cm
Dekomposition des Blattes Nr. 32 aus einer der Vorzugsausgaben von "Dante, La Divine Comédie, L'Enfer", Editions d'Art Les heures claires, Paris 1959-1963
Die über 100 Aquarelle, die Dalí zur Buchausgabe der "Göttlichen  Komödie" schuf, wurden in minutiöser Kleinarbeit und unter Verwendung von angeblich mehr als 3500 Druckstöcken für die einzelnen Farbplatten, die in einem bis  heute mysteriösen Mischprozess aus Ätzung und Handgravur entstanden, reproduziert. Für einige Motive wurden bis zu 67 Platten - für jede Farbe eine eigene - passgenau übereinander gedruckt. Im fertigen Bild sieht man den seriellen Prozess nicht mehr, wohl aber bei Aneinanderreihung der einzelnen Zustandsdrucke, die als Extrasuiten den verschiedenen Luxusausgaben beigefügt waren. Man ist geneigt, diese Farbauszüge in manchen Fällen reizvoller zu finden, als das fertige Blatt, da der Betrachter angeregt wird, sich das Fehlende in der Phantasie auszumalen.

900
inkl. Rahmen

75

Niccolò Vicentino

Christus heilt die Aussätzigen (nach Parmigianino)  um 1530
Chiaroscuro-Holzschnitt auf Bütten, ca. 30 x 42 cm
Druck von Andrea Andriani von 1608 mit Monogramm und Inschrift "AA in mantoua 1608", ex Sammlung Carl Wiesböck Wien mit dessen Signatur verso und dem Datum 1854.
"Christus heilt die Aussätzigen" stellt einen Höhepunkt der erfolgreichen  Zusammenarbeit zwischen Parmigianino und Vicentino, der die Zeichenvorlagen Parmigianinos kongenial in das Medium des Chiaroscuro-Holzschnitts übersetzte, dar. Heute sehen wir die besten Arbeiten in dieser speziellen Variante des Farbholzschnitts, die ihre Blüte im Zeitraum des italienischen Manierismus erlebte und zur Reproduktion lavierter Feder- und Pinselzeichnungen geeignet war, als eigenständige Kunstwerke. Zu ihrer Entstehungszeit waren sie außerdem ein probates Werbemittel, um die Arbeit von Künstlern wie Tizian, Raphael oder eben Parmigianino, die die Entwurfszeichnungen lieferten, in weiten Kreisen bekannt zu machen.

sold

75a
neu


Fritz Wotruba

Figurenkomposition   1975
Radierung und Aquatinta auf Bütten, je 18,7 x 11,4 cm (Platte)
3 Probedrucke, davon einer signiert "Emy Wotruba für F. Wotruba". Gedruckt von Christoph Donin im Grafikstudio der Edition Tusch für eine später geplante Farbserie, die durch den Tod Wotrubas verhindert wurde. Der Druck in rotbraun wurde laut den Angaben Donins von 2 Platten gedruckt (Siehe Dokumentation in: R. Antoniou, Fritz Wotruba, Das druckgraphische Werk, Wien, Köln, Weimar, 2003, S. 418). Die Auflage von 100 signierten und nummerierten Exemplaren erschien bei der Erker-Presse, St. Gallen als Beilage der Mappe "Eugène Ionesco - Hommage à Fritz Wotruba".

alle 600

76

Salvador Dalí

L'apparition de Saincte Geltrude à une nonnain de Poissy 
estant en mal d'enfant
(St. Gertrud erscheint einer schwangeren Novizin von Poissy)
Umdrucklithographie auf Japanpapier, 76 x 54 cm (Blatt)
Aus dem Zyklus: "Les Songes drôlatiques de Pantagruel" (nach Rabelais), hrsg. von Celam/Ethis, Paris 1973, Ex. 36/50
Salvador Dalí war in jeder Hinsicht erfinderisch, nicht nur, was die grafischen Techniken anbelangt, sondern auch beim Thema "Originalität" und zwar lange, bevor die Frage, was nun als "Originalgrafik" anzusehen sei und was nicht, im Zuge der Digitalsierung so richtig angeheizt wurde, um schließlich in einen erweiterten Grafikbegriff zu münden. Dalí setzte sich über diese Frage einfach nonchalant hinweg, indem er klassische und reproduktive Techniken auf Basis der Fotografie - kombiniert oder jede für sich - vollkommen gleichwertig behandelte. Auch konnte es schon mal aktionistisch zugehen, wenn Dalí z.B. mit Bleikugeln, die zuvor mit lithographischer Tinte gefüllt worden waren, auf Lithosteine schoss. Im Falle des Pantagruel-Zyklus, der aus 25 Blättern besteht, überzeichnete Dalí Vergrößerungen von Holzschnitten einer Ausgabe der "Songes drôlatiques" aus dem Jahr 1565, worauf das Ganze auf Lithosteine übertragen wurde.

1200

 

Vitrinen

 

 

V1

Lukas Cranach d. J.
Johann Teufel
anonym

Bildnis Martin Luther  1578
Haußpostilla, über die Sontags und der fürnemsten Feste Evangelien / Durchs gantze jar. / D. Mart: Luther. /Wittemberg. / Gedruckt durch Hans Kraffts Erben. / 1578.
Porträt in Blindprägung nach einer Zeichnung von Lucas Cranach d. J. auf Meistereinband der späten Renaissance mit Filetten und Rollenbordüren. Blind geprägtes Schweinsleder auf Buchenholzdeckeln 33,5 x 23 x 7 cm
Einband verso mit Porträt Philip Melanchtons nach einer Zeichnung von Lucas Cranach d. J., Titelholzschnitt von Lucas Cranach d. J. und 87 Holzschnitte im Text von Johann Teufel

4800

V1
neu



Andy Warhol

Index Book 1967 
With the assistance of Stephen Shore, Paul Morissey, Ondine, Nico. General photographs by Nat Finkelstein. 34 Blatt teils gefaltet. Buchobjekt mit Texten, Schwarz-Weiß-Fotos, einer Schallplatte, einem Luftballon, farbigen "Steh-auf"-Motiven und einigen variationsreichen Blatt-Faltungen, 27,5 x 22 cm. Einband mit Hologramm als Deckelillustration, New York Random House, 1967 Andy Warhol (1928-1987), Hauptvertreter der Pop-Art, vermittelt die wohl ehrlichsten Aussagen zum "American way of life" durch seine Kunst der "totalen Dominanz des Kommerziellen, der reinen Sensation, der Trivialisierung und Vulgarisierung" (Pierre, Lexikon der Pop Art).

900

V1a
neu

anonym

Werbefächer  französisch um 1930
Pochoir auf Karton, Holz und Metallhalterung; ca. 24 x 24 cm
Werbefächer mit Aufschrift "Au Papillon Blanc" und "Alexandrie".

350
inkl. Acrylbox

V1b
neu

Roy Lichtenstein

Finger pointing (Hey You!)  1964
Siebdruck auf leichtem Karton, 61,8 x 43,7 cm, signiert
Plakat zur Ausstellung der Kunsthalle Netzel, Worpswede 1968
Das Motiv mit dem auf den Betrachter gerichteten Zeigefinger wurde von Lichtenstein dem berühmten Uncle-Sam-Poster mit dem Aufruf "I want you for U.S. Army" von 1917, dem Jahr des Eintritts der Amerikaner in den ersten Weltkrieg, entnommen. Lichtenstein verwendete das Motiv bereits 1964 für ein Plakat einer Ausstellung des Moderna Museet in Stockholm und 1973 in abgeänderter Form wieder für ein dort veröffentlichtes Portfolio. Die Maße variieren dabei beachtlich: das Plakat von 1964 ist 97,5 x 70 cm groß, das Blatt im Portfolio von 1973 (ohne Text) bloß 30,4 x 22,8 cm. In der Mitte steht das Plakat für die Kunsthalle Netzel, bei dem das Motiv unten etwas beschnitten wurde.

2200
inkl. Rahmen

V2

anonym

32 Wahrsagekarten  spätes 19. Jh.
Wahrsagekarten der Firma Ferd. Piatnik & Söhne A.G., Budapest, Wien (o. J.). In fünf Sprachen der k. k. Monarchie bezeichnet: Ungarisch, Deutsch, Serbo-Kroatisch, Tschechisch und Italienisch.

sold

V3

Constantin Ritter von Ettingshausen

Physiographie der Medicinal-Pflanzen  1862
Physiographie der Medicinal-Pflanzen nebst einem Clavis zur Bestimmung der Pflanzen mit besonderer Berücksichtigung der Nervation der Blätter; mit 294 Abbildungen im Naturselbstdruck
XIV., 432 S., Verlag Wilhelm Braumüller, Wien 1862
(siehe auch Kat. 22)

400

V4

Gustav Klimt
Koloman Moser
et al.

Ver Sacrum 1898/1899
Zwei komplette Jahrgänge der einflussreichen Zeitschrift der Wiener Secession, dem "Organ der Vereinigung bildender Künstler Österreichs". 1. Jg. hg. von Gerlach & Schenk, Wien, 2. Jg. hg. von E. A. Seemann, Leipzig. Mit zahlreichen Klischeedrucken nach Entwürfen der wichtigsten Secessionskünstler, darunter Gustav Klimt, Kolo Moser, Josef Hoffmann, Alfred Roller, Rudolf Jettmar, Adolf Böhm, Friedrich König etc. sowie der Originallithographie "Ein decorativer Fleck in Roth und Grün" von Kolo Moser im 1. Heft des 1. Jg., 1. Jg. in originaler Sammelmappe, Mappe des 2. Jg. dieser in neuer Bindung nachempfunden. In Leinenschuber.

7000

V5

Hildo Krop
Johan Thorn Prikker

Wendingen  Januar 1929
Lithographie von Johan Thorn Prikker nach einem Holzschnitt von Hildo Krop auf Umschlag recto und verso. Mit 16 Abb. des Werkes von Thorn Prikker.

250

V6

Hildo Krop

Wendingen Mai/Juni 1932
Lithographie von Hildo Krop auf Umschlag recto und verso. Mit 27 Abb. des plastischen Werkes von Hildo Krop.

300

V7

S. Jessurun de Mesquita

Wendingen Januar 1931
Lithographie von Jessurun de Mesquita auf Umschlag recto und verso. Mit 21 Holzschnitten von Jessurun de Mesquita und 6 Abb. nach Zeichnungen des Künstlers.

400

V8

Franz Hölzlhuber

Ansichten der Kronprinz Rudolf-Bahn  1876
"Ansichten der Kronprinz Rudolf-Bahn längs der Strecke von Kastenreith durch's G'säus bis Selzthal-Liezen. Mit besonderer Berücksichtigung der hohen Gebirge wie sich dieselben vom Waggon aus repräsentiren. Nach der Natur aufgenommen und gezeichnet von Franz Hölzlhuber." Druck und Verlag von L. C. Zamarski, Wien 1876;  30-fach gefaltetes Leporelloalbum, bestehend aus 10 lithographierten Tafeln, diese jeweils ca. 13 x 47 cm; Variante mit blauer und oranger Tonplatte.

450

V9

anonym
Gioachino Rossini

Marche du Sultan Abd-ul-Medjid  1854
Lithographie eines unbekannten Künstlers auf Titelblatt zu Notenheft mit Musik von G. Rossini: "Marche du Sultan" für Klavier zu 2 Händen, Mayence (Mainz) chez les fils de B. Schott, 1854

60

V10

Franz von Pausinger
Kronprinz Rudolf

Eine Orientreise vom Jahre  1881
Beschrieben vom Kronprinzen Rudolf von Österreich, illustriert mit Holzschnitten nach Original-Zeichnungen von Franz von Pausinger.
Druck und Verlag der k.k. Hof- und Staatsdruckerei, Wien 1885

90

V11

Gustave Doré

London - A Pilgrimage  1872-1873
12 Folgen von Berichten über die Slums von London von Blanchard Jerrold, erschienen im Supplement zu "Harper's Weekly" von April 1872 bis Mai 1873. Komplette Folge mit zahlreichen, teils ganzseitigen Holzstich-Illustrationen von Gustave Doré. In zeitgenössischem Leinenumschlag.

sold

V11a
neu

anonym

Meurs.  1597
Kupferstich, alt koloriert, auf Bütten, 36,1 x 24,2 cm (Plattenrand)
Vogelansicht der Festungsanlage Moers, aus: Joan Blaeu, Toonneel der Steden van de Vereenighde Nederlanden (Novum ac Magnum Theatrum Urbium Belgicæ Regiae), erschienen 1649; verso Buchdruck in Niederländisch.

550

V12

Linder Waber

Osaka Gaidai  1970
Einer der Druckstöcke zum Farbholzschnitt "Osaka Gaidai". Drucke sind auf Anfrage noch erhältlich.

Stock
unverkäuflich
Druck 600

V13
neu


anonym

Zwei Druckplatten für Buchschmuck  um 1900
Zwei Zinkhochdruck-Klischees für Buchschmuck des Jugendstils mit den originalen Schutzhüllen der Druckerei, auf denen Probedrucke zum schnelleren Auffinden aufgebracht sind.

groß 180
klein 90

V14

anonym

Blaudruckmodel  19. Jh.
Zum Textildruck im Rapport bestimmtes Druckmodel, bei dem nicht die Farbe auf den Stock aufgebracht wurde, sondern eine farbabweisende Substanz. Mit dieser wurde der Stoff bedruckt, welcher danach eingefärbt wurde. Nach Auswaschen der farbabweisenden Substanz stand das Muster hell auf Dunkel (meist dunkelblau), was dem Verfahren den Namen "Blaudruck" gab. Es handelt sich also um ein Reservedruck-Verfahren.

100

V15



Leopold Blauensteiner

Flusslandschaft mit Booten  um 1900
Einer von zwei Druckstöcken für einen Farbholzschnitt im "japonisierenden" Stil, der im Umfeld des Jahrgangs 1903 der Zeitschrift "Ver Sacrum" entstand. Mit dem Nachlass-Stempel verso. Zusammen mit einem zeitgenössischen Handabzug auf Japanpapier von beiden Stöcken, 24,3 x 26,4 cm.

sold

V16

anonym

3 Kupferhochdruck-Klischees für den Werbedruck, USA um 1930

100

V17

anonym

Druckstock  um 1920
Beidseitig geschnittener Holzstock für sogenannten Weißlinienschnitt (möglicherweise für ein Märchenbuch). Die Zeichnung wird dabei von den unbedruckten, hellen Stellen des Papiers gebildet. Die hier gezeigte Seite des Druckstocks diente für zwei Abbildungen, wobei die rechte nicht fertig ausgeführt, oder "gelöscht" wurde.

500

V18

anonym

Druckstock
Tibetanischer Druckstock für eine Gebetsfahne mit dem Windpferd Lungta im Zentrum. Beginn des Textes mit dem berühmten Mantra "Om mani padme hum". Weitere Tiere auf dem Stock sind der Tiger als Vertreiber von Dämonen, der Gletscherlöwe, dessen Milch der Zubereitung von Lebenselixier dienen soll (der Berg mit Gletscher steht für den Ursprungs- und Lebensort der Sippe), zwei Fische als Symbol für das Entweichen aus dem Kreislauf der Wiedergeburten. Im rechten Eck (links bei Abdruck) befindet sich der schlangenfressende Garuda aus der indischen Mythologie.

sold

V19

anonym

Druckstock für einen Kalender, frühes 19. Jh.

400

V20

Franz Maria Jansen

Die Engel Gottes  um 1946
Dieser Druckstock des Expressionisten F. M Jansen zeigt in schöner Weise die Spontaneität der Arbeitsweise im weichen Längsholz. Zusätzlich wurde bei diesem Stock die untere Partie der Zermalmten neu angesetzt oder ergänzt. Ergänzungen, Umarbeitungen und Einsetzungen bei Holzstöcken finden sich schon in der Renaissance, so zum Beispiel im Blatt von Niccolò Boldrini "Sechs Heilige", wo der Kopf des Sebastian ausgetauscht wurde, oder bei dem Dürer zugeschriebenen Andachtsblatt "Christus am Kreuz mit drei Engeln", bei dem ebenfalls die untere Partie ergänzt wurde. Weitere Beispiele in neuerer Zeit finden sich bei Käthe Kollwitz, die nicht müde wurde, ihre Platten und Stöcke weiterzubearbeiten, was uns unzählige spannende Zustandsdrucke bescherte.

1200

V21




Oskar Jespers
Paul von Ostayen

Bezette Stad  1921
Paul van Ostayen: Besetzte Stadt, mit vier ganzseitigen Originalholz-schnitten auf Extrablättern und Zeichnungen von Oskar Jespers, Typographie von René Victor, Verlag Sienjaal, Antwerpen 1921; Ex. 437/500 auf Velin (40 Ex. VA auf Vergé d'Arches). Es fehlt die illustrierte Originalbroschur, das Buch wurde neu in Leinen gebunden.

1200

V22

Karel Teige
Konstantin Biebl

 

Zlom (Umbruch)  1928
Zweifarbiger Buchdruck auf gelbem Papier, 19,6 x 27,3 cm
Eines von zwei doppelseitigen typografischen Blättern von Karel Teige (von dem auch der Umschlagentwurf stammt) zu den surrealistischen Gedichten von Konstantin Biebl, Odeon, Prag 1928

480

V23

Walter Serner

Letze Lockerung  1920
manifest dada, Nachdruck der Erstausgabe im Verlag Stegemann Hannover 1920, Verlag Klaus G. Renner, 1976

50

V24

Josef Čapek
Adam Gyn

Nesnáze Victora Doreau Exčlověka  1925
Farblinolschnitt von Josef Čapek auf dem Umschlag, Edice Paprsek, Svazek Šestý 1925

90

V25

Václav Mašek
V.L. Majakovskij

150.000.000  1925
Erschienen bei V. Petr (Edice Atom), Prag 1925. Die Illustrationen sind Zinkhochätzungen nach Zeichnungen von Václav Mašek, die Vorder- und Rückseite des Einbandes Linolschnitte. Die russische Originalfassung des berühmten Gedichtes von Majakowski erschien 1921. Die Übersetzung ins Tschechische besorgte Bohumil Mathesius. Das Buch ist ein Gesamt-kunstwerk im Zusammenspiel von Einbandgestaltung, Typografie und (ganzseitigen) Illustrationen, die die majakowskischen Visionen eines Endkampfs zwischen Kapitalismus und Sozialismus in einem apokalyp-tischen Chicago der 20er Jahre, in dem selbst die Augenbrauen der Menschen elektrisch hochgezogen werden, meisterhaft wiedergeben.

300

V26

Josef Čapek
A.M. Píša

Soudy boje a výzvy  1922
Farblinolschnitt von Josef Čapek auf dem Umschlag, Prag 1922

90

V27

Josef Čapek
Josef Hora

Probuzení  1925
Farblinolschnitt von Josef Čapek auf dem Umschlag, Aventinum Prag 1925

90

V28

Emil Cardinaux
Ernst Schneider

O, mir hei ne schöne Ring!  1921
den Kindern des ersten Schuljahres von Professor Dr. Ernst Schneider, Riga, mit Bildern von Emil Cardinaux, Benteli, Bern-Bümpliz, 1921 (Erstausgabe)

150

V29

Erich Heckel

Kunsthütte Chemnitz  1930
Farbholzschnitt auf Karton, 17 x 91 cm
Liegengebliebenes, ungefalztes Exemplar des Holzschnittes, der als Einband für den Katalog zur gleichnamigen Ausstellung verwendet wurde. Die Abbildung rechts zeigt neben der Mutter mit spielenden Kindern die vier letzten "Brücke"-Künstler Otto Mueller, Erich Heckel, Karl Schmidt-Rottluff und Ernst Ludwig Kirchner, der mit Pfeil und Bogen auf Heckel zielt. Dies darf wohl als Anspielung auf die jahrelangen Sticheleien gedeutet werden, die Heckel von Kirchner einstecken mußte, der nach der nicht unbedingt einvernehmlichen Auflösung der Künstlergruppe "Brücke" im Jahr 1913 immer wieder behauptete, Heckel hätte von ihm gestohlen.

1800

V30

Max Pechstein

Almanach 1920 Fritz Gurlitt
Almanach des Fritz Gurlitt Verlages für das Jahr 1920, Vorzugsausgabe mit 3 Holzschnitten auf Recto- und Verso-Seite sowie auf dem Rücken des Einbandes; mit einem weiteren ganzseitigen Holzschnitt auf Einschubblatt von Max Pechstein ("Der Alte") sowie einer Original-Lithographie und einer Radierung von Lovis Corinth

650

V31

Erich Heckel

Graphik der Gegenwart Band 1 Erich Heckel  1931
Enthält 5 Originalholzschnitte und zwar: Umschlag (schwarz, blau),
Vorderes Vorsatzblatt: Zirkus (rot, blau), Gegenüber Titel: Stadion (schwarz), Seite 1: Vignette, Hinteres Vorsatzblatt: Tanzende Matrosen (blau, rot); Euphorion Verlag, Berlin 1931

650

V32

Herbert von Garvens-Garvensburg

Schmidt-Rottluff Negerkunst  1920
Holzschnitt von Herbert von Garvens-Garvensburg auf Umschlag des Ausstellungskataloges für die Ausstellung in der Kestner-Gesellschaft Hannover vom 25. April bis 30. Mai 1920, auf der neben Gemälden und Grafiken von Karl Schmidt-Rottluff afrikanische Plastiken gezeigt wurden.

350

V33

Ernst Ludwig Kirchner

Ausstellung von Graphischen Arbeiten von E. L. Kirchner  1920
Ausstellungskatalog für die Ausstellung in der Kunsthandlung Ludwig Schames in Frankfurt/Main 1920, mit drei Originalholzschnitten; aus dem Besitz des Bonner Kunsthistorikers Heribert Reiners (mit seinem Namenszug auf dem Vorsatz), siehe auch "Wände Kat. 30".

1400