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Zeichen - Symbol - Allegorie

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Eröffnung: 12. November 2026, 19 Uhr
Dauer: 13. November 2026 - 26. März 2027
Di-Fr 11-18 Uhr, Mo/Sa nach Vereinbarung
Galerie Hochdruck
Friedmanngasse 12/5
1160 Wien

Ein Zeichen steht ganz allgemein stellvertretend für etwas anderes (ein Objekt, einen Laut, eine Information oder eine Handlung).

Ein Symbol ist ein konkretes Sinnbild mit einer festen, meist kulturell vereinbarten Bedeutung. Es ist in der Regel einfach und besteht aus einem einzigen Merkmal.

Eine Allegorie ist eine komplexere, oft bildliche oder erzählerische Darstellung eines abstrakten Begriffs.

(Google AI)

Wofür steht ein Buchstabe in einem Schriftsystem? "Das Zeichen ist die abstrakte Idee eines Schriftzeichens, die Glyphe ist dessen konkrete grafische Darstellung" (Wikipedia). Hätten wir statt "Zeichen" also "Glyphen" titeln sollen? Gerhard Fietz – 1949 Gründungsmitglied der Künstlergruppe ZEN 49 – nennt zwei abstrakte, "tanzende" rote Figuren vor dunklem Grund "Zeichen". Handelt es sich hier um ein "neues Alphabet der Verständigung" (Kunstarchiv Lüneburg)? Die chinesische Pinsel-Kalligraphie scheint nicht weit zu sein.

Der Bildhauer Hubert Kiecol schafft Holzschnitte wie Skulpturen von einfacher architektonischer Wucht. Die Titel "Zaun, Fenster, Tor, Busch, Leiter, Treppe" sagen uns, es sind Symbole. Aber sind sie es wirklich? Vielleicht geht es doch nur um ein Spiel mit Formen, also um eine Art Zeichensprache, so wie Joshua Reichert seine imaginären Schriftzeichen, deren Bedeutung nur er kennt, "Typographie" nennt.

Antonio Neto schaffte gar ein ganzes Schattenalphabet von 134 Traumgespinsten – "Shadows of Anarchy".

Heinrich Heuer gibt Anweisung, den konkreten Bildunterschriften seiner abstrakten, expressiv wuchernden Bildsymbolik zu misstrauen: "Erkennbarkeiten im Bild", schreibt er, "sind […] Zitate, keine Aussagen. Auch die Titel sind naheliegend-absichtslose Versuche, keine Anker und Angeln auszuwerfen, die Blickrichtungen festlegen" (Heinrich Heuer Online-Werkverzeichnis).

August Walla schafft aus Schrift, Zeichen und Symbolen – bekannten wie idiosynkratischen – ein eigenes Universum, dessen allegorische Bedeutung letztlich nur ihm bekannt ist, ganz so, wie sich Albrecht Dürer die Deutungshoheit über seine "Melancolia" vorbehält. Dort, wo der Betrachter Bedeutung vermutet, über die wahre Bedeutung aber im Unklaren gelassen wird, entsteht so etwas wie ein wohliger Schauer. Auch die sogenannten "Symbolisten" (Die Tschechen Josef Váchal und František Kobliha mögen als Beispiele dienen) lassen uns – ganz im Widerspruch zur angeblich so klaren, "kulturell vereinbarten" Bedeutung des Symbols – gerne im Dunklen tappen.

Hans Arp, gelernter Surrealist, begibt sich 1960 gegen Ende seines Lebens auf die Reise zum "unendlichen Weiß" (Vers le Blanc infini). Seine zartgliedrigen, geätzten Figuren sind so anthropomorph wie eh und je, so wie A (Alpha / Aleph) auf den Kopf gestellt den Stierkopf der Hieroglyphen zum Urahnen hat. Wenn Arps zeichenhafte Formen nicht symbolisch sind, so sind sie doch so evokativ wie seine metaphernreiche Gedichte, wo die Kathedrale ein Herz ist ("La cathédrale est un coeur") und der Turm eine Knospe ("La tour est un bourgeon").

Ganz lang ist die Liste der religiösen und politischen Symbole. Das Kreuz als Symbol des Leidens wird mehrfach umgedeutet. Besonders drastisch bei John Heartfield, der die Opfer des Faschismus im Bild des nackten Leichnams eines am Hakenkreuz geräderten Mannes betrauert. Drastisch auch 400 Jahre davor Cranach: die Missgeburt eines Kalbes dient als Sinnbild für die Verkommenheit des Mönchsstandes. Dazwischen Altbekanntes: der Mann an der Maschine, die gereckte Faust, die Massen erheben sich, Hammer und Sichel und die Sichel auch ganz unpolitisch als Zeichen für die künstlerische Ernte. Halb zwischen politischem Eifer und Naivität steht der Künstler mit brennendem Herzen, der seine Zukunft nach dem großen Krieg (1919) selbst bestimmen will. In einer Collage, die das Coca-Cola-Logo, die amerikanischen Sterne und ein junges Opfer des Vietnamkriegs vereint, erinnert uns Klaus Staeck im Jahr 1968 daran, woher das Geld für Kriege stammt. Wo sind heute die Kunstwerke, die uns daran erinnern?

Allegorische Darstellungen sind so zahlreich und vielfältig, dass ihnen eine eigene Präsentation gewidmet sein müsste. Ist ihre Blütezeit mit dem Ende des achtzehnten Jahrhunderts auch endgültig vorüber, so ist eines unserer schönsten Beispiele aus dem Anfang des zwanzigsten: eine Porträtbüste Kaiser Franz Josephs als arcimboldeskes Kopf-Pasticcio, zusammengesetzt aus den Personifikationen der sieben Todsünden und betitelt "Morto (finalmente) il 21-11-16".

Die gezeigten Werke stammen u.a. von folgenden Künstlern:
Gerd Arntz, Hans Arp, Atelier populaire, Alberto Béltran, Joseph Beuys, Eduardo Chillida, Theodor de Bry, Josef Čapek, Walter Dexel, Gerhard Fietz, Raoul Hausmann, John Heartfield, Heinrich Heuer, William Hogarth, Wenzel Hollar, Hubert Kiecol, Jiří Kolář, Mikhail Larionov, Wolfgang Mattheuer, Roland Maurmair, Joan Miró, Antonio Neto, Oldřich Nouza, Max Pechstein, Mihailo Petrov, Joshua Reichert, Gerhard Rühm, Herbert Sandberg, Hans Schmitz, Richard Seewald, Wolfgang Seierl, Klaus Staeck, Curt Stenvert, Karel Teige, Augustin Tschinkel, Josef Váchal, August Walla.

 

DIE 2.
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Bücher und Druckgrafik des Expressionismus nach der "Brücke"

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